Unsere Geschichte

Am 21. Mai 1912 schlossen sich in Flittard junge Männer um den 1. Brandmeister Hubert Thiering zusammen und gründeten die Freiwillige Feuerwehr Flittard.

Alte Wache der FF FL

Obwohl anfangs nur eine Spritze, ein Hydrantenrohr und 20m Schlauch zur Verfügung standen, weiteten sich die Aktivitäten der jungen Wehr bald schon aus. Es wurden Übungen durchgeführt und man nahm an Samariterkursen und Schulungen teil. Eine Steigerabteilung und eine Musikabteilung wurde gebildet. Trotz der bescheidenen Mittel gelang es in der Zeit zwischen dem 31. Dezember 1919 und 9. Januar 1920 das ehemalige Flittarder Kloster „Herz-Jesu-Stift“ vor großem Schaden durch Hochwasser des Rheins zu bewahren. Das Kloster war in dieser Zeit mit ca. 100 kranken Personen und ca. 150 Waisenkindern belegt und die Heizung drohte abzusaufen. Unermüdlich kämpften die Wehrmänner gegen das steigende Wasser und hatten letztendlich Erfolg. Die Schwester Oberin bedankte sich in einem späteren Schreiben voller Ehrfurcht bei den Kameraden.

Alte Fahrzeuge der FF FL

Hubert Thiering war Wehrführer bis zu Beginn des 2. Weltkriegs. Im Jahre 1937 wurde der Freiwilligen Feuerwehr, wie im ganzen Land, ein schwerer Schlag versetzt. Die damaligen Machthaber machte sie zur Feuerlöschpolizei und degradierte eine idealistische, gemeinnützige Vereinigung („Gott zu Ehr, dem nächsten zur Wehr“) zum Knecht von Macht und Politik.
Nach dem 2. Weltkrieg übernahm Edmund Esser als 1. Brandmeister den Wiederaufbau der Wehr in Flittard. Der Aufschwung gelang jedoch erst im Jahre 1948, nachdem sich 14 junge Männer gemeldet hatten, die bereit waren, einen Teil ihrer Freizeit für den Dienst an der guten Sache zu opfern.
Bedenkt man das große Armut herrschte, alles war zerstört, Familien waren auseinander gerissen und es herrschte in weiten Teilen der Bevölkerung große Skepsis, wieder eine Uniform zu tragen. Außerdem war die Gerätschaft sehr dürftig.

Manschaft

Erst im Jahre 1952 erhielt die Wehr ihr erstes Fahrzeug, einen VW-Bus als Kleinlöschfahrzeug, das im Jahre 1964 durch ein LF8 ergänzt wurde. Bedingt durch das rasante Wachstum der Bayer Werke wuchs auch die Bevölkerung in Flittard rasch an und der Stadtteil wuchs. Zwangsläufig stieg damit auch die Zahl der Einsätze an.
Von 1963 an wurde die Löschgruppe von Löschgruppenführer Oberbrandmeister Werner Moyzio geleitet, die seit 1970 dem Katastrophenschutz angeschlossen ist. Die Unterkunft der Löschgruppe wurde 1972 vom alten Steigeturm in der Paulinenhofstraße in eine angemietete Halle in den Weingartskamp verlegt, kamen doch durch den Katastrophenschutz weitere Fahrzeuge nach Flittard.
Im selben Jahr übernahm Brandmeister Günter Schneider die Führung der Wehr.

Günter Schneider

Günter Schneider

1975 wurde dann die jetzige Unterkunft in der Edelhofstraße eingeweiht und Oberbrandmeister Klaus Gessinger übernahm die Leitung der Wehr.

Klaus Gessinger

Klaus Gessinger

Neue Technologien hielten Einzug und die alten Sirenen zur Alarmierung der Wehr hatten ausgedient. Man wurde jetzt „still“ über Funkmeldeempfänger von der Berufsfeuerwehr alarmiert, was auch zu mehr Rücksichtnahme gegenüber der Bevölkerung führte.
Im September 1985 brannte in Flittard der Bongartzhof, ein alter Gutshof mit einer großen Scheune. Der Einsatz ging über mehrere Tage, da die Scheune bis unter das Dach mit Heu und Stroh voll war.
Im Jahr 1991 wurde dann die Jugendfeuerwehr gegründet, um auch für die Zukunft ausreichend Nachwuchs zu bekommen.

JF Übung

Im selben Jahr erhielt die Löschgruppe Flittard ein von der Berufsfeuerwehr ausrangiertes LF16, welches in Eigenleistung und unzähligen Arbeitsstunden in der Freizeit von den Kameraden instand gesetzt wurde. Es war nun wieder ein Löschfahrzeug mit Wassertank vorhanden, da der Katastrophenschutz eine neue Fahrzeugkonzeption mit Löschfahrzeug ohne Tank vorsah – die wendigen und robusten Unimog-TLF fielen weg. Dieses LF16 wurde im Jahre 1995 durch ein ebenfalls bei der BF ausgemustertes LF16 ersetzt.

LF16

Im Jahr 1993, wieder wurde der Katastrophenschutz umstrukturiert, übernahm die Löschgruppe Flittard einen ABC-Zug. Fortan gab es eine große Aufgabensteigerung. Neben dem Brandschutz und der technischen Hilfeleistung in den Stadtteilen Flittard, Stammheim und nördliches Mülheim war man auch zusammen mit anderen Löschgruppen für die Dekontamination von Geräten und Personen, für die Löschwasserrückhaltung und für die Schadstoffmessung zuständig, was weitere unzählige Stunden Aus- und Weiterbildung mit sich brachte.
Der erste Dekontaminations-Einsatz ließ nicht lange auf sich warten. Noch während des Hochwassers zum Jahresende 1993 mussten nach einem Lagerhallenbrand im Niehler Hafen sämtliche Gerätschaften dekontaminiert werden.
Durch eine Spende seitens der Bayer AG konnte 1992 eine zusätzliche Fahrzeughalle in Leichtbauweise auf dem Gelände in der Edelhofstraße errichtet werden um die zusätzlichen Fahrzeuge unterzustellen und die angemietete Halle im Weingartskamp aufgeben zu können.

Wagenhalle

Nun waren alle Fahrzeuge der Löschgruppe an einem Standort untergebracht. Die beiden Jahrhundert-Hochwasser 1993 und 1995 sorgten für zahlreiche Einsatzstunden über eine Woche Dauer hinaus. Die Aufgaben waren vielfältig: Sandsäcke füllen, abpumpen überfluteter Keller und Aufrechterhaltung des Betriebs der Ellmühle am Deutzer Hafen über die Weihnachtsfeiertage zählten dazu. Die Einsätze im Bereich des ABC-Dienstes nahmen stetig zu. So musste die Löschgruppe mehrfach zu den verschiedenen Güterumschlagplätzen ausrücken und die Kräfte der Berufsfeuerwehr nach ihren Einsätzen unter Chemikalienschutzanzügen zu dekontaminieren. Bei mehreren Großbränden wurde kontaminiertes Löschwasser aufgefangen und an Entsorgungsunternehmen zur fachgerechten Entsorgung übergeben. Diese Einsätze sind sehr zeitintensiv, oftmals gingen solche Einsätze über 2 Tage.

ABC Mänchen

Im Jahre 1997 gab es dann einen Wechsel an der Spitze der Löschgruppe. Der langjährige Löschgruppenführer Klaus Gessinger wechselte in die Alters- und Ehrenabteilung. Neuer Löschgruppenführer wurde Horst Wirth.

Horst Wirth

Horst Wirth

Nach mehrmaligen Versuchen und mehrfachen Platzierungen unter den „ersten 3“ wurde die Löschgruppe 1997 dann Stadtmeister der Kölner Feuerwehren. Beim Wettbewerb im „K-Zentrum“ musste bei einem simulierten Werkstattbrand Menschenrettung und Brandbekämpfung durchgeführt werden.
Die Jahrtausendwende, in den Medien wurden die schlimmsten Szenarien erwartet, verlief dann unerwartet ruhig. Die Löschgruppe wurde erstmals seit langem in der Sylvesternacht einmal nicht alarmiert.

Es wurde ein Förderverein gegründet um trotz immer knapper werdenden finanziellen Mitteln seitens der Stadt Köln zusätzlich benötigtes Material für die aktive Wehr und die Jugendfeuerwehr zu beschaffen.

Anlass zur großen Freude hatten die Mitglieder der Löschgruppe im Jahr 2003. Die Stadt Köln beschaffte ein nagelneues TLF16/25 und das LF16 konnte nach 21 Jahren Gesamtdienstzeit abgegeben werden.

TLF

2005 sorgte dann der Weltjugendtag mit Papstbesuch für ein hohes Einsatzaufkommen. Führungskräfte der Löschgruppe waren im Stab vertreten und mit dem Dekon-LKW des ABC-Dienstes wurde die Trinkwasserversorgung für die Pilger unterstützt. Am Tag der Abreise der Pilger stand die Löschgruppe am Bahnhof Deutz in Bereitschaft und unterstützte die dort eingesetzten Sanitätskräfte der Hilfsorganisationen bei deren Arbeit.

Im Jahre 2006 gab es dann einen erneuten Wechsel an der Spitze der Löschgruppe. Brandinspektor Dieter Hennig übernahm die Leitung der Löschgruppe und Horst Wirth wechselte in die Alters- und Ehrenabteilung.

Dieter Hennig

Dieter Hennig

Die Fußballweltmeisterschaft stand einsatzmäßig im Mittelpunkt des Jahres 2006. So wurden die Mitglieder der Löschgruppe in zahlreichen Ausbildungsstunden durch die Berufsfeuerwehr in der Dekontamination verletzter Personen geschult. Die Bedrohung durch den internationalen Terrorismus machte es nötig, für Schadensszenarien mit Giftstoffen gewappnet zu sein. An allen 5 Kölner Spieltagen war die Löschgruppe dann bis zu 12 Stunden im Einsatz, dreimal am Stadion selbst und zweimal im Bereitstellungsraum an der Europastraße. Im Ereignisfall, der zum Glück nicht eintrat, wäre es Aufgabe der Löschgruppe gewesen, mit Schadstoffen kontaminierte Verletzte zu dekontaminieren und dem Rettungsdienst zur weiteren Versorgung zu übergeben.
Aufgrund der ruhigen Lage am Stadion konnte das internationale Flair genossen werden, war doch das Wetter durchgehend spitze und die Kameradschaft unter allen Hilfsorganisationen hervorragend.

WM 2006

Aktuell umfasst der Fuhrpark ein TLF16/25 und ein LF16-TS für die Aufgabengebiete der Brandbekämpfung und technische Hilfeleistung. Für den ABC-Dienst stehen 2 Messfahrzeuge, ein Dekontaminationsmehrzweckfahrzeug (DMF) und ein Dekon-LKW zur Verfügung.
Haben sich Technik, Ausrüstung und Ausbildung der Freiwilligen Feuerwehr von früher bis heute den gestiegenen Anforderungen angepasst, so gilt auch heute noch der Wahlspruch der Gründungsjahre „Gott zu Ehr, dem nächsten zur Wehr“.

 
Ein Artikel über die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Flittard, veröffentlicht im „Strahl Rohr Ausgabe 1/2007, verfasst von unserem Löschgruppenmitglied M.P.